Die größte Herausforderung für jeden Photovoltaik-Betreiber ist nicht die Erzeugung, sondern die intelligente Verwertung. Während die Einspeisevergütung in Deutschland stagniert, steigt der Wert jeder selbst verbrauchten Kilowattstunde. Doch was tun, wenn der Speicher voll ist und die Sonne trotzdem brennt? In diesem Guide zeige ich dir, wie ich meinen PV-Überschuss zur Veredelung nutze, indem ich ihn in Rechenleistung für Monero (XMR) Mining umwandle.
Es ist ein technisches Manifest gegen die Verschwendung: Anstatt wertvollen Ökostrom für ein paar Cent ins Netz zu verschenken, nutzen wir die Energie, um kryptografische Rätsel zu lösen. Dabei geht es weniger um den großen Reichtum durch Mining, sondern um die Steigerung des Eigenverbrauchs und die Perfektionierung der Hausautomatisierung durch intelligente Software-Steuerung. Wir verwandeln ungenutzte Photonen in digitale Assets.
Die Philosophie der Energie-Senke
Jeder moderne Haushalt hat "stille" Verbraucher: Ein Homeserver, der die Cloud-Dienste hostet, ein Raspberry Pi für die Haussteuerung oder der Laptop im Home-Office. Diese Geräte laufen oft im Leerlauf und verbrauchen eine konstante Grundlast. Mein Ansatz verwandelt diese Hardware in eine dynamische Energie-Senke.
Sobald mein Wechselrichter einen Überschuss meldet, der über dem aktuellen Hausverbrauch liegt, wird die CPU-Last gezielt erhöht. Wir "speichern" die Energie sozusagen in Form von Rechenarbeit. Die technische Basis für das Auslesen der Live-Daten habe ich in meinem Artikel über die Wechselrichter-Integration ausführlich dokumentiert. Dort erfährst du, wie die API-Daten in meine Python-Skripte fließen.
Warum Monero (XMR)? Die ASIC-Resistenz als Vorteil
Wer an Krypto-Mining denkt, hat oft riesige, laute Hallen voller Spezialhardware (ASICs) im Kopf. Für das private Home-Lab ist das unbrauchbar. Deshalb setze ich konsequent auf Monero (XMR).
Dank des RandomX-Algorithmus ist Monero explizit darauf ausgelegt, auf herkömmlichen CPUs (Zentralprozessoren) effizient zu laufen. RandomX nutzt komplexe Code-Sequenzen, die den L3-Cache der CPU fordern – eine Architektur, die für spezialisierte Mining-Chips (ASICs) schwer zu kopieren ist. Das macht den Einsatz von XMRig auf einem herkömmlichen Ubuntu-Server, wie er in meinem Homeserver-Setup läuft, erst sinnvoll. Wir nutzen die Hardware, die wir ohnehin besitzen, ohne teure Zusatzinvestitionen.
Die Automatisierungs-Logik: Bash & Schwellenwerte
Das Herzstück der ersten Ausbaustufe war ein Bash-Skript, das via Cronjob alle 5 Minuten prüft, ob die Sonne genug Energie liefert. Ein entscheidender Faktor ist hier der Threshold (Schwellenwert). Wir wollen vermeiden, dass der Miner bei jeder vorbeiziehenden Wolke startet und stoppt ("Flapping"), was die Hardware unnötig belasten würde.
# Ausschnitt aus der Logik (pv_mine.sh)
THRESHOLD=200 # Puffer in Watt
if (( $(echo "$PV_OUTPUT > $HOUSE_USAGE + $THRESHOLD" | bc -l) )); then
# Starte XMRig Miner via systemd
systemctl start xmrig.service
else
# Stoppe Miner sauber
systemctl stop xmrig.service
fiWie dieser Prozess visuell in meinem Dashboard aussieht, kannst du jederzeit auf meiner Live-Monitoring Seite verfolgen.
Der Laptop-Hack: BIOS-Recovery und Smart-Control
Besonders stolz bin ich auf die Integration meines Laptops. Hier habe ich eine Brücke zwischen Hardware-Einstellungen und Software-Signalen geschlagen. Durch die BIOS-Einstellung "AC Recovery -> Power On" wird der Laptop zum autarken System: Sobald der PV-gesteuerte Smart Plug Strom liefert, bootet der Rechner und nimmt die Arbeit auf.
Um das System zu schützen, überwacht ein Python-Watcher den Akkuzustand. Sinkt die Kapazität unter 20% (weil die Sonne weg ist und der Smart Plug abgeschaltet hat), fährt das System kontrolliert herunter. Das verhindert Dateisystem-Fehler und schont die Langlebigkeit des Akkus.
Evolution: Warum ich Smart Plugs durch Software ersetzt habe
Im November 2025 kam der große Wendepunkt in meinem Setup. Ursprünglich habe ich die Geräte hart per Smart Plug vom Netz getrennt. Die Realität war ernüchternd: Unsaubere Abschaltungen führten zu Inkonsistenzen in den Datenbank-Logs.
Die Lösung war der Wechsel zur reinen Software-Steuerung. Anstatt den Strom physisch zu kappen, steuere ich nun die CPU-Frequenz-Governor und die Mining-Dienste basierend auf dem Sonnenstand. Hierfür nutze ich die astral Library in Python, um die genauen Sonnenauf- und -untergangszeiten für meinen Standort in Mühlacker zu berechnen. Das System bleibt dadurch 24/7 erreichbar (SSH), drosselt aber nachts den Verbrauch auf ein Minimum.
Der "Solar-Control" Algorithmus
- Tagmodus (Sonnenaufgang + 30 Min): CPU auf
performance, Miner aktiv. - Nachtmodus (Sonnenuntergang - 30 Min): CPU auf
powersave(Frequenz-Limitierung), Miner aus.
# Python Solar-Control Logik (vereinfacht)
from astral.sun import sun
# ... Berechnung von sunrise/sunset ...
if sunrise <= now <= sunset:
subprocess.run("systemctl start xmrig.service", shell=True)
subprocess.run("cpupower frequency-set -g performance", shell=True)Wirtschaftlichkeit: Stromveredelung statt Reichtum
Seien wir ehrlich: Mit CPU-Mining wird man nicht reich. Bei einer Hashrate von ca. 3000 H/s sprechen wir von Erträgen im Cent-Bereich. Aber die Rechnung sieht anders aus, wenn man die Alternativkosten betrachtet. Die Formel für den "Veredelungs-Gewinn" $G$ lautet:
$$G = (XMR_{Ertrag} \cdot Kurs) + (E_s \cdot (P_{netz} - P_{einspeis}))$$
Wobei $E_s$ die Menge des eigenverbrauchten Stroms ist, $P_{netz}$ der Preis für den Zukauf und $P_{einspeis}$ die verlorene Einspeisevergütung. Indem wir den Strom selbst nutzen, "sparen" wir den Differenzbetrag zum Netzstrompreis – und das ist der eigentliche ökonomische Hebel.
Fazit: Autarkie auf Code-Basis
Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man Web-Entwicklung, Linux-Administration und moderne Energietechnik kombiniert. Mein System reagiert dynamisch auf die Umwelt und bietet mir ein Labor für weitere Automatisierungen. Im nächsten Teil der Serie erfährst du, wie ich diese Logik in Home Assistant integriert habe, um den echten Hausverbrauch zu visualisieren.
Möchtest du auch dein Home-Lab automatisieren oder suchst du einen Experten für maßgeschneiderte Dashboards? Schau dir meine bisherigen Arbeiten im Portfolio an oder schreib mir direkt über das Kontaktformular. Lass uns die Energiewende digitaler machen!